Ein Zurrgurt über die Palette spannen und fertig? Ganz so einfach ist es leider nicht. Je nach Ladung, Fahrzeug und Transportweg kommen unterschiedliche Sicherungsmethoden zum Einsatz – und die richtige Wahl entscheidet darüber, ob Ihre Ware sicher ankommt oder nicht.
Grundsätzlich unterscheidet man in der Ladungssicherung zwei Hauptprinzipien: den Kraftschluss und den Formschluss. Dazu kommt die kombinierte Sicherung, die beide Prinzipien miteinander verbindet. In diesem Artikel erklären wir, was hinter diesen Begriffen steckt, wann Sie welche Methode einsetzen und worauf Sie in der Praxis achten müssen.
Die kraftschlüssige Ladungssicherung ist die wohl am häufigsten eingesetzte Methode. Das Prinzip: Die Ladung wird durch Kräfte auf der Ladefläche gehalten, die ein Verrutschen verhindern. Das geschieht im Wesentlichen durch zwei Faktoren – die Gewichtskraft der Ladung selbst und die Erhöhung der Reibung zwischen Ladung und Ladefläche.
Beim Niederzurren werden Zurrgurte über die Ladung gelegt und in den Zurrpunmkten befestigt. Durch das Spannen der Gurte wird die Ladung auf die Ladefläche gedrückt. Dadurch erhöht sich die Anpresskraft und damit die Reibung zwischen Ladung und Boden. Je größer die Reibung, desto höher die Kraft, die nötig wäre, um die Ladung zu verschieben.
Wichtig dabei: Niederzurren allein erzeugt nicht die notwendige Haltekraft. Deshalb wird die kraftschlüssige Sicherung häufig mit rutschhemmenden Unterlagen kombiniert, die den Reibbeiwert steigern können.
Kraftschlüssige Sicherung eignet sich besonders für:
Der Vorteil: Die Methode ist flexibel und lässt sich mit Standard-Zurrgurten auf nahezu jeder Ladefläche anwenden. Der Nachteil: Sie erfordert eine korrekte Berechnung der Sicherungskräfte und funktioniert nur zuverlässig, wenn die Reibungsverhältnisse stimmen.
Formschluss bedeutet: Es gibt keine Lücke, in die sich die Ladung bewegen könnte. Die Ladung wird entweder direkt an eine Wand geladen (Stirnwand, Seitenwand) oder durch Hilfsmittel so eingekeilt, dass in keine Richtung Bewegungsfreiheit besteht.
Ein klassisches Beispiel: Paletten werden lückenlos bis an die Stirnwand des Laderaums geladen, und die verbleibenden Lücken werden mit Sperrstangen oder Ladungssicherungsbalken geschlossen. So kann die Ladung weder nach vorn rutschen (Stirnwand), noch seitlich ausweichen (Seitenwände), noch nach hinten kippen (Sperrstangen).
Im LKW-Bereich ist die formschlüssige Ladungssicherung besonders verbreitet. Große Laderäume bieten die Möglichkeit, Ladung systematisch zu stapeln und durch die Aufbauwände sowie zusätzliche Sicherungsmittel zu blockieren. Dabei kommen häufig zum Einsatz:
Formschluss ist die Methode der Wahl, wenn:
Der große Vorteil der formschlüssigen Sicherung: Wenn sie korrekt ausgeführt wird, ist sie äußerst zuverlässig. Die Ladung hat schlicht keinen Platz, um sich zu bewegen. Der Nachteil: Sie erfordert sorgfältige Planung der Beladung und oft spezielle Einbauten im Fahrzeug.
In der Praxis werden kraftschlüssige und formschlüssige Sicherung häufig kombiniert. Das ergibt Sinn, denn kaum eine Ladungssituation lässt sich mit nur einer Methode optimal lösen.
Stellen Sie sich einen Transporter vor, der mit mehreren Paletten beladen wird. Die Paletten werden lückenlos bis zur Stirnwand geladen (Formschluss nach vorn). Seitlich verbleibt jedoch eine Lücke. Diese wird mit einer Sperrstange geschlossen (Formschluss seitlich). Zusätzlich werden die Paletten mit Zurrgurten niedergezurrt (Kraftschluss nach unten). Und unter den Paletten liegen rutschhemmende Matten, die die Reibung erhöhen (Kraftschluss-Unterstützung).
Diese Kombination ist in den meisten Praxissituationen der Goldstandard: Sie nutzt die Fahrzeugstruktur und die Ausrüstung optimal aus und bietet maximale Sicherheit.
Neben Kraft- und Formschluss gibt es weitere Methoden, die ergänzend eingesetzt werden:
Welche Sicherungsmethode die richtige ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
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Faktor |
Kraftschluss |
Formschluss |
Kombination |
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Ladungsart |
Kompakte, gleichmäßige Güter |
Raumfüllende Ladung, Paletten |
Gemischte Ladung |
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Fahrzeugtyp |
Pritsche, offener Aufbau |
Koffer, Kastenwagen, Transporter |
Alle Typen |
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Lücken im Laderaum |
Größere Lücken möglich |
Lücken müssen gefüllt werden |
Flexibel |
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Aufwand |
Mittel (Zurrgurte spannen) |
Gering (schnell positioniert und eingehängt) |
Hoch, aber optimal |
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Zuverlässigkeit |
Gut bei korrekter Anwendung |
Sehr hoch |
Höchste Sicherheit |
Unabhängig von der gewählten Methode gilt: Die Qualität der Ladungssicherungsmittel ist entscheidend. Billige Zurrgurte, z. B. aus Fernost, die nach wenigen Einsätzen ihre Spannkraft verlieren, oder Sperrstangen, die nicht exakt zum Fahrzeug passen, sind ein Sicherheitsrisiko.
Bei allsafe setzen wir auf maßgeschneiderte Lösungen. Unsere Ladungssicherungssysteme werden individuell für Ihr Fahrzeug gefertigt – von Airlineschienen, die als flexible Befestigungsgrundlage dienen, über Sperrstangen in exakt der richtigen Länge bis hin zu kompletten Innenausbau-Systemen für Transporter und LKW.
Alle unsere Produkte sind Made in Germany, aus europäischen Lieferketten gefertigt und erfüllen die Anforderungen der VDI 2700. Und wenn es mal schnell gehen muss: in vielen Fällen sind Ihre bestellten Produkte – auch individuell angepasste – innerhalb von 24 Stunden versandbereit.
Die Wahl zwischen kraftschlüssiger, formschlüssiger und kombinierter Ladungssicherung ist keine Geschmacksfrage. Sie hängt von Ihrer Ladung, Ihrem Fahrzeug und Ihrer Transportroute ab. In den meisten Fällen führt eine durchdachte Kombination beider Prinzipien zum besten Ergebnis.
Wenn Sie unsicher sind, welche Methode für Ihre Situation die richtige ist, lassen Sie sich beraten. Unsere Experten analysieren Ihre Anforderungen und entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein Ladungssicherungskonzept, das passt – zuverlässig, regelkonform und wirtschaftlich.
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Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung oder Rechtsberatung. Alle Angaben zu physikalischen Werten (Reibbeiwerte, Beschleunigungsbeiwerte) und technischen Richtlinien wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Die tatsächlich erforderlichen Sicherungsmaßnahmen hängen von der konkreten Ladungssituation ab und müssen im Einzelfall berechnet werden. Für verbindliche Auskünfte zu Normen und Sicherungsberechnungen wenden Sie sich bitte an einen Sachverständigen für Ladungssicherung oder die zuständige Berufsgenossenschaft.