Ein Großeinkauf im Möbelhaus, ein Baumarkt-Besuch am Wochenende, die Urlaubsfahrt mit vollgepacktem Kombi: Im Alltag wird schnell unterschätzt, welche Kräfte bei einer Vollbremsung in einem PKW entstehen. Der ADAC hat in Crashtests gezeigt, dass selbst vergleichsweise leichte Ladung bei einem Aufprall enorme Kräfte entwickelt.. Ein ungesichertes Handy kann bei einer Vollbremsung Kräfte entwickeln, die einem Vielfachen seines Eigengewichts entsprechen.. Selbst leichte Gegenstände auf der Hutablage oder lose Einkäufe auf der Rückbank entwickeln ausreichend Energie, um die Insassen lebensgefährlich zu verletzen.
Ladungssicherung ist deshalb nicht allein eine Frage der Ordnung, sondern eine gesetzliche Pflicht nach der Straßenverkehrsordnung. Dieser Ratgeber zeigt, welche Vorschriften für den PKW gelten, wie Kofferraum, Innenraum und Dachträger sicher beladen werden, welche Sicherungsmittel sich in der Praxis bewährt haben und welche Bußgelder bei mangelhafter Sicherung drohen.
Die Pflicht zur Ladungssicherung gilt für jeden Fahrzeugtyp. Weder die Größe des Fahrzeugs noch der private oder gewerbliche Einsatz ändern etwas an den Anforderungen.
§ 22 Abs. 1 StVO verlangt, dass die Ladung einschließlich der Geräte zur Ladungssicherung so zu verstauen und zu sichern ist, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder plötzlichen Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten. § 23 Abs. 1 StVO ergänzt, dass die Ladung die Sicht und das Gehör des Fahrers nicht beeinträchtigen darf. Im PKW mit voll beladenem Kofferraum ist der Blick nach hinten ein häufiger Schwachpunkt.
§ 412 Abs. 1 HGB regelt die Verantwortungsteilung zwischen Absender und Frachtführer und wird vor allem bei gewerblichen Transporten relevant. Für private Fahrten bedeutet das: Wer belädt und fährt, trägt die volle Verantwortung. Ergänzend gelten die VDI-Richtlinien 2700 ff. als anerkannte Regeln der Technik. Sie sind primär für den gewerblichen Güterverkehr entwickelt, werden bei Streitfällen aber auch auf den PKW angewendet.
Ein PKW darf eine Breite von 2,55 Metern und eine Höhe von 4,00 Metern nicht überschreiten Ladung darf nach hinten bis zu 1,50 Meter überstehen. Auf Fahrten unter 100 Kilometern sind bis zu 3,00 Meter Überstand zulässig. Ab einem Überstand von einem Meter besteht Kennzeichnungspflicht: durch ein rotes Schild, eine rote Fahne oder einen roten Zylinder mit mindestens 30 cm Durchmesser, maximal 1,50 Meter über der Fahrbahn angebracht. Bei schlechter Sicht, in der Dämmerung oder bei Nachtfahrten kommen ein rotes Warnlicht und ein roter Rückstrahler hinzu. Ragt die Ladung seitlich mehr als 40 cm heraus, ist vorne eine weiße und hinten eine rote Leuchte vorgeschrieben. Bis zu einer Ladungshöhe von 2,5 Metern darf nichts nach vorne hinausragen.
Die Ladungssicherung unterscheidet grundsätzlich zwei Methoden, die im PKW meist kombiniert zum Einsatz kommen.
Beim Formschluss wird die Ladung so verstaut, dass sie zwischen festen Begrenzungen keinen Freiraum mehr hat. Im Kofferraum heißt das: Koffer, Kisten und Taschen werden dicht an die Rückenlehne der Rücksitzbank und an die Seitenwände gedrückt. Ladelücken werden aufgefüllt, sodass sich nichts verschieben kann. Die Rücksitzlehne bietet zusätzlichen Schutz, ersetzt bei schwerer Ladung aber keine professionelle Sicherung.. Formschluss ist im PKW besonders effektiv, weil der Kofferraum von allen Seiten feste Begrenzungen bietet.
Kraftschluss arbeitet mit Reibung. Zurrgurte drücken die Ladung mit Vorspannkraft auf den Untergrund, Antirutschmatten erhöhen zusätzlich die Reibung zwischen Ladegut und Kofferraumboden. In Kombination halten beide die Ladung auch bei starkem Bremsen in Position. Kraftschluss kommt dort zum Einsatz, wo Formschluss allein nicht ausreicht, etwa bei einzelnen schweren Gegenständen oder hohen, schmalen Objekten.
In der Praxis ergibt sich die sicherste Lösung aus der Kombination beider Methoden: dicht gepackt, auf Antirutschmatten, mit Zurrgurten an den Zurrösen fixiert.
Der Kofferraum ist der Hauptladebereich des PKW und bietet die besten Voraussetzungen für eine sichere Ladung. Voraussetzung ist eine strukturierte Vorgehensweise beim Beladen.
Schwere Gegenstände gehören immer nach unten und möglichst nah an die Rücksitzlehne. Je tiefer der Schwerpunkt, desto besser die Straßenlage und das Bremsverhalten. Leichte Teile werden obenauf gepackt. Die Ladung sollte symmetrisch zur Fahrzeuglängsachse verteilt sein, einseitige Beladung beeinträchtigt das Fahrverhalten. Das Gepäck wird dicht an die Rückseite der hinteren Sitze geschoben, sodass es nicht nach vorne rutschen kann. Die Rücksitzbank bleibt idealerweise aufgestellt und nicht umgeklappt, weil sie als zusätzliche Trennwand wirkt. Sitzt niemand auf der Rückbank, können die Sicherheitsgurte diagonal geschlossen werden und so die Lehne zusätzlich stabilisieren.
Jeder PKW-Kofferraum verfügt ab Werk über Zurrösen, an denen Gurte, Netze und Haken befestigt werden können. Diese Ankerpunkte sind die Basis jeder Sicherung. Bei voluminöser Ladung empfiehlt sich, das gesamte Ladegut mit einer Decke abzudecken und diagonal mit Zurrgurten zu verspannen. Das erzeugt Sichtschutz und hält gleichzeitig Kleinteile zurück, die sich lösen könnten.
Zurrgurte mit Ratsche oder Klemmschloss sind das Standardmittel für die kraftschlüssige Sicherung. Ladungssicherungsnetze werden über die Zurrösen gespannt und eignen sich für flächiges Abdecken. Antirutschmatten kommen unter Kisten und schwere Einzelstücke. Schutzgitter zwischen Kofferraum und Rücksitzbank verhindern, dass Gegenstände bei einer Bremsung in den Fahrgastraum eindringen. Wichtig: Einfache Klemmgitter, die nur zwischen Dach und Ladefläche eingeklemmt werden, halten den Kräften bei einem Aufprall kaum stand. Stabile, befestigte Systeme sind vorzuziehen.
Nicht jede Ladung passt in den Kofferraum. Gerade bei Umzügen oder Großeinkäufen landen Gegenstände auch im Fahrgastraum. Hier gelten besonders strenge Anforderungen, weil die Insassen unmittelbar gefährdet sind.
Bruchgefährdete Gegenstände wie Vasen, Glasflaschen oder Trinkgläser sollten nicht offen im Innenraum abgelegt werden. Scharfkantige Splitter sind bei einem Unfall eine zusätzliche Gefahrenquelle. Besser ist es, solche Dinge in stabilen Kartons zu verpacken oder in Decken einzuwickeln und im Fußraum hinter dem Beifahrersitz zu verstauen, nicht im Fußraum des Fahrers, wo sie die Pedale blockieren könnten. Gegenstände auf der Rückbank lassen sich mit den Sicherheitsgurten fixieren. Lose Kleinteile wie Handys, Trinkflaschen oder Kinderspielzeug gehören in Boxen oder verschließbare Fächer.
Ein verbreiteter Fehler ist das Ablegen von Gegenständen auf der Hutablage. Schon bei einer leichten Bremsung werden sie zu Geschossen in Kopfhöhe der Insassen. Die Hutablage bleibt frei.
Haustiere gelten im Sinne der Straßenverkehrsordnung als Ladung und müssen entsprechend gesichert werden. Ein ungesichertes Tier ist nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Insassen eine erhebliche Gefahr.
Die sicherste Lösung ist eine feste Transportbox, die am besten im Kofferraum oder im Fußraum hinter der Rückbank verstaut wird. Alternativ gibt es spezielle Sicherheitsgurte für Hunde, die am Brustgeschirr befestigt werden. Ein frei laufender Hund auf der Rückbank oder im Kofferraum entspricht nicht den Anforderungen der StVO an die Ladungssicherung.
Für sperrige oder besonders lange Gegenstände wie Skier, Bretter oder Dachboxen kommt der Dachträger ins Spiel. Hier gelten eigene Regeln.
Die zulässige Dachlast eines PKW liegt je nach Modell typischerweise bei 50 bis 100 Kilogramm, einschließlich des Gewichts des Trägersystems. Der konkrete Wert steht in der Betriebsanleitung. Überschreitungen gefährden das Fahrverhalten und können die Trägerbefestigung überlasten. Minderwertige oder ungeeignete Trägersysteme können sich bei starken Belastungen lösen.. Hochwertige, modellspezifische Träger sind deutlich sicherer.
Die Ladung auf dem Dach sollte dem Fahrtwind möglichst wenig Angriffsfläche bieten. Dachboxen sind aus aerodynamischen Gründen den offenen Trägern vorzuziehen. Bei Fahrrädern empfiehlt sich der Transport am Heck, entweder über einen Universal-Heckträger oder über einen Kupplungsträger, wenn eine Anhängerkupplung vorhanden ist. Auch hier gilt: Zulässige Stützlast und Hinterachslast nach Fahrzeugschein beachten.
Nach längerer Fahrt und an jeder Pause sollten Befestigungsschrauben, Spanngurte und das Ladegut selbst kontrolliert werden. Vibrationen können Verbindungen lockern. Wird der Dachträger nicht gebraucht, gehört er vom Dach.
Für die Ladungssicherung im PKW stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Jedes hat seinen spezifischen Einsatzbereich, und erst die Kombination ergibt ein belastbares Sicherungskonzept.
Zurrgurte mit Ratsche oder Klemmschloss sind das Arbeitspferd der Ladungssicherung. Sie werden an den Zurrösen im Kofferraum befestigt und drücken die Ladung mit definierter Vorspannkraft auf den Untergrund. Für den Einsatz im PKW reichen in der Regel schmale Gurte mit einer moderaten Zugkraft. Wichtig ist, dass der Gurt ein angenähtes Prüfschild trägt und nicht beschädigt ist. Elastische Expander sind kein Ersatz für Zurrgurte.
Ladungssicherungsnetze werden über Zurrösen gespannt und decken eine größere Fläche ab. Sie verhindern, dass kleinere Gegenstände bei Bremsmanövern aus dem Ladebereich herausspringen. Netze ergänzen die Sicherung durch Gurte, ersetzen sie aber nicht bei schwerer Einzelladung.
Antirutschmatten erhöhen die Reibung zwischen Ladung und Kofferraumboden. Sie reduzieren die erforderliche Vorspannkraft der Gurte, sind aber keine eigenständige Sicherung. In Kombination mit Zurrgurten entfalten sie ihre volle Wirkung.
Kantenschutzwinkel schützen Zurrgurte vor scharfen Kanten der Ladung und verlängern so deren Lebensdauer. Schutzgitter zwischen Kofferraum und Rücksitzbank bilden eine zusätzliche Trennwand und sind vor allem bei Kombifahrzeugen mit großem Ladevolumen sinnvoll.
Als Hersteller entwickelt allsafe vor allem professionelle Ladungssicherung für Transporter, LKW und Sonderfahrzeuge. Für gewerbliche Fahrzeuge und Flotten, die regelmäßig beladen werden, lohnt sich der Blick auf individuelle Systeme wie Airlineschienen oder Zurrpunkte, die über den Standard eines PKW hinausgehen und sich für Firmenwagen und Kleintransporter nachrüsten lassen.
Nach § 23 Abs. 1 StVO trägt der Fahrzeugführer die Verantwortung dafür, dass das Fahrzeug und die Ladung den Vorschriften entsprechen. Bei privaten Fahrten ist damit in der Regel der Fahrer zugleich verantwortlich für die Sicherung. Bei Firmenfahrzeugen oder gewerblichen Transporten verteilt sich die Verantwortung zusätzlich auf den Halter und den Verlader nach § 412 HGB. Der Fahrer ist also nicht allein, entbindet sich damit aber auch nicht von seiner eigenen Pflicht zur Kontrolle vor Fahrtantritt.
Wer seine Ladung nicht ordnungsgemäß sichert, muss mit Konsequenzen rechnen. Der Bußgeldkatalog sieht bei festgestellten Verstößen ein Verwarnungsgeld von 35 Euro vor. Liegt eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer vor, steigt das Bußgeld auf 60 Euro mit einem Punkt in Flensburg. Kommt es zum Unfall mit Sachschaden, sind es 75 Euro und ein Punkt. Bei Personenschäden kann der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung oder im Extremfall der fahrlässigen Tötung erfüllt sein. Auch versicherungsrechtlich hat mangelhafte Sicherung Folgen: Für Schäden, die durch verrutschende Ladung entstehen, muss die Kaskoversicherung nicht aufkommen. Die Höhenüberschreitung von 4,00 Metern wird zusätzlich mit 20 Euro geahndet.
Die Investition in Zurrgurte, Netze und Antirutschmatten ist im Vergleich zu diesen möglichen Folgen gering.
Privat reichen in vielen Fällen Zurrgurte, Netze und Antirutschmatten aus. Wer beruflich mit dem PKW, Kombi oder Firmentransporter unterwegs ist, stößt mit Standardlösungen aber schnell an Grenzen. Werkzeuge, Ersatzteile, Proben oder Vorführgeräte müssen regelmäßig transportiert werden, oft mit wechselnder Beladung und hohem Wert. Hier lohnen sich individuell geplante Sicherungssysteme, die Airlineschienen, Zurrpunkte und maßgeschneiderte Halter kombinieren.
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Wie weit darf die Ladung aus einem PKW hinten herausragen?
Nach hinten darf die Ladung bis zu 1,50 Meter überstehen. Auf Fahrten unter 100 Kilometern sind bis zu 3,00 Meter zulässig. Ab einem Überstand von mehr als einem Meter besteht Kennzeichnungspflicht: durch ein rotes Schild, eine rote Fahne oder einen roten Zylinder mit mindestens 30 cm Durchmesser, maximal 1,50 Meter über der Fahrbahn. Bei schlechter Sicht und in der Nacht kommen ein rotes Warnlicht und ein roter Rückstrahler hinzu.
Welche Ladungssicherungsmittel sind für den PKW geeignet?
Die Grundausstattung besteht aus Zurrgurten mit Ratsche oder Klemmschloss, einem Ladungssicherungsnetz und Antirutschmatten. Für schwere oder empfindliche Ladung kommen Schutzgitter zwischen Kofferraum und Rücksitzbank sowie Kantenschutzwinkel hinzu. Elastische Expander sind keine geeignete Sicherung. Spanngurte sollten dauerhaft im Auto mitgeführt werden, damit bei spontanen Transporten passendes Material bereitsteht.
Was kostet mangelhafte Ladungssicherung im PKW?
Bei festgestellter mangelhafter Sicherung ohne Gefährdung fallen 35 Euro Verwarnungsgeld an. Liegt eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer vor, sind es 60 Euro und ein Punkt in Flensburg. Kommt es zu einem Unfall, werden 75 Euro und ein Punkt fällig. Bei Personenschäden kann zusätzlich der Tatbestand der fahrlässigen Körperverletzung oder Tötung in Betracht kommen. Die Kaskoversicherung übernimmt Schäden durch verrutschende Ladung nicht.
Wie sichere ich einen Hund im PKW?
Hunde und andere Haustiere gelten nach der StVO als Ladung. Die sicherste Lösung ist eine fest verankerte Transportbox im Kofferraum oder im Fußraum hinter der Rückbank. Alternativ gibt es Sicherheitsgurte für Hunde, die am Brustgeschirr befestigt werden. Ein frei laufendes Tier auf der Rückbank ist nicht ausreichend gesichert und kann bei einer Vollbremsung zu einer erheblichen Gefahr für sich und die Insassen werden.
Was bedeutet formschlüssige und was bedeutet kraftschlüssige Ladungssicherung? Formschluss bedeutet, dass die Ladung zwischen festen Begrenzungen keinen Freiraum mehr hat. Im Kofferraum erreicht man das durch dichtes Packen ohne Ladelücken an Rücksitzlehne und Seitenwänden. Kraftschluss arbeitet mit Reibung: Zurrgurte drücken die Ladung auf den Untergrund, Antirutschmatten erhöhen die Reibung zusätzlich. Im PKW werden beide Methoden meist kombiniert eingesetzt.
Wie hoch ist die zulässige Dachlast beim PKW?
Die zulässige Dachlast liegt je nach Fahrzeugmodell meist zwischen 50 und 100 Kilogramm, einschließlich des Trägersystems. Der genaue Wert steht in der Betriebsanleitung und darf nicht überschritten werden. Auch das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs nach Fahrzeugschein ist einzuhalten. Einfache Universalträger halten bei einem Aufprall mit etwa 30 km/h oft nicht stand, hochwertige modellspezifische Träger sind deutlich sicherer.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung oder fachliche Beratung. Alle Angaben zu Gesetzen, Vorschriften und Bußgeldern wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Gesetzliche Regelungen und Bußgeldsätze können sich jederzeit ändern. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Verkehrsrecht oder einen Sachverständigen für Ladungssicherung.