Wer einen Anhänger regelmäßig nutzt, kennt das Problem: Die werkseitig montierten Zurrösen befinden sich selten dort, wo die Ladungssicherung sie tatsächlich erfordert. Mal liegt eine Maschine quer, mal ein Stapel Paletten längs, mal nur ein einzelnes Sperrgut in der Mitte. Eine Zurrschiene löst dieses Problem, weil sie die Befestigungspunkte über die gesamte Lade- oder Anhängernlänge verteilt und Zurrösen, Fittinge oder Sperrelemente stufenlos aufnimmt. Aus einer starren Ladefläche wird damit ein flexibles System zur Ladungssicherung.
Die wichtigste Klarstellung vorweg: Zurrschiene und Airlineschiene können in der Praxis unter Umständen dasselbe Produkt bezeichnen. Auch die Begriffe Verzurrschiene, Befestigungsschiene und Zurrleiste meinen in den meisten Fällen denselben oder einen ähnlichen Schienentyp.
Der Begriff Airlineschiene stammt aus dem Flugzeugbau, wo dieses Profil ursprünglich zur Sitzbefestigung entwickelt wurde. Aus der Luftfahrt hat sich das System in den Nutzfahrzeug- und Anhängerbau übertragen und ist heute die Standardlösung für variable Ladungssicherung.
Bei so einer großen Auswahl an verschiedenen Schienentypen und Materialien lohnt es sich, die verschiedenen Optionen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.
Die Airlineschiene ist die meistgenutzte Schiene auf dem Markt und auch im Anhängerbau weit verbreitet. Sie kann auf den Boden, an die Bordwand, die Decke oder an die Stirnwand verschraubt, vernietet oder verklebt werden und dient der Befestigung von Fittingen, Sperrstangen und Ladebalken. allsafe fertigt Airlineschienen in mehreren Ausführungen: als Standardprofil für klassische Anwendungen, als Light-Variante für Einsätze mit geringerem Bauraum oder geringeren Belastungsanforderungen und als Heavy-Duty-Profil für höhere Belastungen. Welche Variante passt, hängt von der zu sichernden Ladung, dem Untergrund und den Belastungsspitzen ab. Für detaillierte Auswahlfragen lohnt sich eine Beratung.
Die Kombischiene oder Kombizurrschiene vereint zwei Funktionen in sich. Dieses Metallprofil kann sowohl Schlitz- als auch Rundlochbeschläge aufnehmen und ermöglicht dadurch eine flexible Nutzung unterschiedlicher Sicherungselemente. Durch diese besondere Bauweise deckt die Kombischiene einen sehr großen Umfang an verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten ab. Dabei kann sie sowohl in Kombination mit Sperrbalken, Sperrstangen als auch mit Ladebalken eingesetzt werden und aus unterschiedlichen Materialen bestehen. Sie ist insbesondere bei der Ladungssicherung in LKWs, Anhängern und Transportern zu finden.
Die Rundlochschiene ist ein gelochtes Metallprofil, welches fest mit dem Fahrzeug verbunden ist und in das Sperrbalken, Ladebalken und Sperrstangen mit runden Bolzen eingesetzt werden können. Sie kommt überall dort zum Einsatz, wo eine besonders robuste, oft schwerere Befestigung gefragt ist, z. B. im Boden oder an der Decke von Koffer- oder Planenfahrzeugen.
Die Stäbchenschiene ist eine langjährig bewährte Befestigungslösung für Kofferfahrzeuge und Transporter. Bei der Stäbchenschiene handelt es sich um ein Metallprofil, in das in regelmäßigen Abständen Rundstäbe eingelassen sind. Diese Stäbchen dienen dann zur Befestigung einer Vielzahl unterschiedlicher Ladungssicherungsmittel, wie z. B. Sperrstangen oder Zurrgurte. Die Stäbchenschiene wird an den Seitenwänden der Fahrzeuge verbaut, wahlweise zum Nachrüsten bzw. Aufsetzen auf die Seitenwand oder versenkbar. Sie ist mechanisch sehr stabil und für hohe Belastungen ausgelegt. Ladungssicherungsmittel für Airlineschienen (z. B. Airline-Fittinge) sind aufgrund der unterschiedlichen Schienengeometrie nicht mit Stäbchenschienen kompatibel. Für Stäbchenschienen sind die dafür vorgesehenen Sicherungselemente zu verwenden
Wo eine durchgängige Schiene nicht erforderlich ist, kommen einzelne Zurrpunkte als punktuelle Befestigung zum Einsatz. Sie werden in den Boden oder die Bordwand eingelassen und bieten an einer festen Position einen tragfähigen Anschlagpunkt. In Kombination mit einer Schiene erweitern sie das Sicherungs-System um Punkte, die an besonders belasteten Stellen sitzen.
Für die Auswahl der richtigen Schiene spielt der Anhängertyp eine zentrale Rolle. Bei einem PKW-Anhänger oder Autotransporter mit Aluminium-Boden sitzen die Schienen typischerweise auf den Längsstreben des Chassis, weil die Bodenplatte allein die Auszugskräfte selten dauerhaft aufnimmt.
Bei einem Kofferanhänger mit Sandwichplatten ist die Verschraubung in das tragende Profil hinein erforderlich, eine reine Befestigung in der Sandwichplatte trägt die notwendigen maximalen Belastungen nicht ausreichend. Bei Pritschenanhängern, Pferdeanhängern und Bordwand-Aufbauten kann die Schiene zusätzlich auch an der Bordwand-Innenseite montiert werden, sofern dort tragfähige Profile vorhanden sind.
Was die Länge der jeweiligen Schiene anbelangt, ist eine Bestellung mit Maßanfertigung auf jeden Fall sinnvoll. allsafe zum Beispiel bietet für das gesamte Schienensortiment eine Fertigung nach Maß in einem zwischen 100 und 6.000 mm an.
Die zentrale Kennzahl für jede Komponente der Ladungssicherung ist die Lashing Capacity, kurz LC. Sie gibt an, mit welcher Zugkraft eine Zurröse, ein Fitting oder ein Zurrgurt dauerhaft belastet werden darf, und wird in daN (Dekanewton) angegeben. Ein LC-Wert von 1.000 daN entspricht etwa einer Belastung von 1.000 Kilogramm Zugkraft. Eine Zurrschiene ist nur so belastbar wie die schwächste Stelle in der Kette aus Schiene, Fitting, Zurröse und Verschraubung. Wer eine Schiene nachrüstet, muss sicherstellen, dass alle Bauteile aufeinander abgestimmt sind und die geplante Sicherungslast tragen.
Die DIN EN 12640 regelt Zurrpunkte an Nutzfahrzeugen und definiert Mindestanforderungen an Anzahl, Lage und Belastbarkeit. Die Norm richtet sich primär an Nutzfahrzeuge, der zugrundeliegende Maßstab gilt aber sinngemäß auch für nachgerüstete Zurrpunkte und Schienen am Anhänger. Werden Zurrpunkte oder Schienen ohne dokumentierte Prüfwerte verbaut, lässt sich im Schadenfall nicht mehr nachweisen, dass die Sicherung normgerecht ausgelegt war.
Die VDI 2700 ist die anerkannte Regel der Technik für Ladungssicherung in Deutschland. Sie unterscheidet zwischen formschlüssiger Sicherung durch lückenlose Verladung oder Sperrelemente und kraftschlüssiger Sicherung durch Niederzurren. Zurrschienen und Zurrpunkte sind die Voraussetzung für beide Methoden. Ohne tragfähige Anschlagpunkte lässt sich weder ein Zurrgurt mit der nötigen Vorspannkraft niederzurren noch eine Sperrstange formschlüssig zwischen den Bordwänden verkeilen.
§ 22 Abs. 1 StVO schreibt vor, dass Ladung so zu verstauen und zu sichern ist, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlichem Ausweichen nicht verrutschen, umfallen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen kann. Diese Pflicht gilt unabhängig davon, ob ein Anhänger gewerblich oder privat genutzt wird. Wer nachweisbar mit normgerechten Zurrschienen, geprüften Fittingen und passenden Zurrgurten arbeitet, hat im Kontroll- und Schadensfall eine deutlich bessere Ausgangslage.
Das Nachrüsten einer Zurrschiene gehört zu den häufigsten Anwendungsfällen. Werkseitig sind viele Anhänger nur mit wenigen Zurrösen ausgestattet, oft an Positionen, die für die typische Ladung nicht passen. Eine durchgehende Schiene löst diesen Konflikt und schafft Befestigungspunkte über die gesamte Anhängerlänge.
Vor jeder Nachrüstung steht die Prüfung des Untergrunds. Eine Schiene wirkt nur so stabil wie die Konstruktion, an die sie verschraubt ist. Ist der Boden eine Aluminium- oder Siebdruckplatte ohne tragenden Unterbau, muss die Schiene durch die Platte hindurch in das Chassis verschraubt werden. Bei Kofferanhängern mit Sandwichplatten reicht eine Verschraubung in die Platte allein nicht aus, hier muss in das tragende Rahmenprofil hineingebohrt werden. Bei Bordwand-Montage ist auf das Profilmaterial der Bordwand zu achten.
Eine Freigabe des Anhängerherstellers oder eines Sachverständigen ist sinnvoll, sobald tragende Teile betroffen sind. § 19 StVZO regelt, welche Umbauten an Fahrzeugen genehmigungspflichtig sind. Eine reine Schienen-Nachrüstung, die keine tragenden Teile schwächt, ist in der Regel nicht eintragungspflichtig, eine schriftliche Bestätigung des Herstellers schafft aber Sicherheit für Versicherung und TÜV.
Erstens: Schienen werden nur in die Bodenplatte verschraubt, ohne in das Chassis durchzubinden. Beim ersten harten Zurren reißt die Schraube aus der Platte. Zweitens: Es werden Schrauben mit zu geringer Festigkeitsklasse verwendet. Drittens: Die Schienen werden nicht mit Schraubensicherung gesetzt, sodass sich die Verbindung durch Vibration löst. Wer diese drei Punkte sauber abarbeitet, vermeidet die typischen Schwachstellen.
Eine Zurrschiene ist nur das Aufnahme-Profil. Für die tatsächliche Ladungssicherung braucht es passende Fittinge, Zurrösen und Zurrmittel. Bei Airlineschienen kommen Airline-Fittinge zum Einsatz, die durch Einstecken und Drehen verriegelt werden. In Kombination mit Zurrösen entstehen dort Anschlagpunkte, wo die Ladung sie aktuell braucht. Sperrstangen und Sperrbalken werden über kompatible Halter in die Schiene gesetzt und übernehmen die formschlüssige Sicherung. Zurrgurte mit passender Endausrüstung verbinden Ladung und Schiene über die Fittinge. Welche Komponente zu welcher Schiene passt, hängt vom Profil und der vorgesehenen Belastung ab. Eine pauschale Empfehlung ist nicht möglich, die Auswahl gehört in eine Beratung.
Standardisierte Schienen-Sets aus dem Baumarkt decken einfache Anwendungen ab. Sobald ein Anhänger regelmäßig unterschiedliche Ladungen transportiert, an besondere Aufbauten angepasst werden muss oder höhere Lasten aufnimmt, lohnt sich ein individuell ausgelegtes System. allsafe fertigt Airlineschienen, Kombischienen, Stäbchenschienen und Zurrpunkte nach Maß, abgestimmt auf die Geometrie und die Belastungsanforderung des jeweiligen Anhängers. Standardsysteme sind innerhalb von 24 Stunden versandfertig, individuelle Lösungen werden nach Anforderungsprofil entwickelt und gefertigt.
Sie möchten wissen, wie Sie sie normgerecht nachrüsten? Wir beraten Sie individuell, prüfen die Befestigungssituation und entwickeln gemeinsam mit Ihnen ein abgestimmtes Schienen-System.
Welche Zurrschienen gibt es?
Im Anhänger- und Nutzfahrzeugbau sind vier Profile etabliert: die Airlineschiene als Standardprofil mit genormtem runden Lochbild und einsteckbaren Fittingen, die Kombischiene für z. B. klassische Haken, die Rundlochschiene für robuste, weniger flexible Befestigungen und die Stäbchenschiene mit eingelassenen Rundstäben. Welcher Typ passt, hängt vom Aufbau und der zu sichernden Ladung ab.
Welche Sicherungsarten gibt es beim Anhänger?
Die Ladungssicherung unterscheidet zwei Grundprinzipien. Bei der formschlüssigen Sicherung wird die Ladung durch lückenlose Verladung oder durch Sperrelemente wie Sperrstangen und Spannbretter blockiert. Bei der kraftschlüssigen Sicherung wird die Ladung mit Zurrgurten auf den Boden gepresst, sodass die Reibung das Verrutschen verhindert. Beide Methoden lassen sich kombinieren. Zurrschienen sind die Basis für beide Verfahren, weil sie die nötigen Anschlagpunkte bereitstellen.
Was darf man am Anhänger umbauen?
§ 19 StVZO regelt, welche Umbauten an Fahrzeugen die Betriebserlaubnis betreffen. Eine reine Nachrüstung mit Zurrschienen, die keine tragenden Teile schwächt, ist in der Regel nicht eintragungspflichtig. Sobald jedoch das Chassis angebohrt oder die Bordwand baulich verändert wird, wird die Rücksprache mit dem Anhängerhersteller, der Werkstatt oder einer Prüfstelle dringend empfohlen. Eine schriftliche Freigabe des Herstellers ist im Schadens- und Versicherungsfall hilfreich.
Sind Zurrschienen genormt?
Die Belastbarkeit von Zurrpunkten an Nutzfahrzeugen ist über die DIN EN 12640 geregelt. Für Zurrgurte gilt die DIN EN 12195-2 mit Pflicht zum Prüfetikett. Die VDI 2700 als anerkannte Regel der Technik beschreibt die korrekte Anwendung von Schienen, Fittingen und Zurrmitteln in der Praxis. Eine Zurrschiene selbst ist nur dann normgerecht eingesetzt, wenn auch alle weiteren Komponenten der Sicherungskette zur deklarierten Belastung passen.
Welche Länge sollte eine Zurrschiene am Anhänger haben?
Die Länge richtet sich nach dem Innenmaß des Anhängers und nach der Anordnung der Befestigungspunkte. Üblich sind durchgehende Längen von einem bis drei Metern, in Standardabschnitten oder im Zuschnitt. Wichtiger als die Gesamtlänge ist die Position: Zurrschienen sollten möglichst entlang der Längsachse oder am Übergang Bordwand-Boden sitzen, weil dort die Krafteinleitung in den Aufbau am günstigsten ist. Bei sehr langen Schienen ist eine Verschraubung in regelmäßigen Abständen erforderlich, damit die Schiene unter Last nicht aushebelt.
Kann ich eine Zurrschiene selbst nachrüsten?
Eine handwerklich saubere Nachrüstung ist möglich, sobald die Befestigungssituation klar ist und das passende Werkzeug zur Verfügung steht. Voraussetzung ist, dass die Verschraubung in einen tragenden Untergrund erfolgt, geeignete Schrauben mit definierter Festigkeitsklasse verwendet werden und Drehmoment sowie Schraubensicherung beachtet sind. Wo Unsicherheit über das Aufbaumaterial oder die zulässigen Belastungen besteht, gehört die Montage in eine Fachwerkstatt oder erfordert eine Freigabe des Anhängerherstellers.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung oder fachliche Beratung. Alle Angaben zu Gesetzen, Normen und Vorschriften wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Konkrete Belastungsangaben, Drehmomente und Freigaben hängen vom jeweiligen Anhänger und der eingesetzten Schiene ab und müssen im Einzelfall mit dem Hersteller oder einer Fachwerkstatt geklärt werden. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Fachanwalt für Transportrecht, einen Sachverständigen für Ladungssicherung oder die zuständige Berufsgenossenschaft.