Ob zur Saisonpause in die Werkstatt, zum Rennstreckentraining oder in den Motorradurlaub: Irgendwann steht fast jeder Motorradbesitzer vor der Frage, wie die eigene Maschine sicher auf den Anhänger kommt. Ein Motorrad steht auf zwei Rädern, hat einen hohen Schwerpunkt und federt nach. Damit es die Fahrt unbeschädigt übersteht und niemanden gefährdet, muss es fachgerecht verzurrt werden. Ein paar lose übergeworfene Gurte reichen dafür nicht aus.
Dieser Ratgeber zeigt, wie Sie Ihr Motorrad auf dem Anhänger richtig verzurren. Sie erfahren, welche rechtlichen Pflichten für Sie als Fahrer gelten, welche Ausrüstung Sie brauchen, an welchen Punkten Sie das Motorrad überhaupt anschlagen dürfen und wie die Verzurrung Schritt für Schritt abläuft. Am Ende beantworten wir die häufigsten Fragen rund um die Transportsicherung.
Die Ladungssicherung ist keine Frage des guten Willens, sondern gesetzlich geregelt, und zwar auch beim privaten Transport. Maßgeblich ist § 22 der Straßenverkehrs-Ordnung (StVO): Die Ladung muss so gesichert sein, dass sie selbst bei einer Vollbremsung oder einem plötzlichen Ausweichmanöver nicht verrutschen, umfallen oder herabfallen kann. Für ein Motorrad auf dem Anhänger heißt das: Es muss in alle Richtungen so gehalten werden, dass es unter den Kräften des Straßenverkehrs stehen bleibt.
Hinzu kommt § 23 StVO, der den Fahrer in die Pflicht nimmt. Sie müssen sich vor Fahrtantritt und während der Fahrt davon überzeugen, dass die Sicherung hält. Wer selbst belädt und fährt, trägt damit die volle Verantwortung für die korrekte Sicherung. Für das Gespann kommt außerdem die allgemeine Pflicht hinzu, nur mit einem verkehrssicheren und richtig beladenen Anhänger zu fahren. Eine mangelhafte Sicherung ist also kein Kavaliersdelikt, sondern kann im Schadensfall erhebliche Folgen haben.
Bevor das Motorrad auf den Anhänger rollt, sollten Sie die richtige Ausrüstung bereitlegen. Das wichtigste Sicherungsmittel sind Zurrgurte nach der Norm DIN EN 12195-2. Diese Gurte tragen ein Etikett, das unter anderem die zulässige Zurrkraft ausweist. Welche Zurrkraft Sie benötigen, richtet sich nach dem Gewicht Ihres Motorrads: Eine schwere Reiseenduro stellt andere Anforderungen als ein leichtes Naked Bike. Prüfen Sie jeden Gurt vor dem Einsatz auf Risse, Einschnitte, ausgefranste Kanten und eine einwandfrei funktionierende Ratsche. Beschädigte Gurte gehören aussortiert.
Für den sicheren Stand sorgt eine Vorderradschale, oft auch Radwippe oder Vorderradklemme genannt. Sie nimmt das Vorderrad auf, hält das Motorrad aufrecht und verhindert, dass es nach vorn oder zur Seite wegkippt. Damit die Gurte den Lack und sich selbst nicht beschädigen, legen Sie an scharfen Kanten und lackierten Teilen einen Kantenschutz oder einen sandfreien Lappen unter die Gurtschlaufe. Eine rutschhemmende Unterlage unter den Rädern erhöht zusätzlich die Reibung. Passende Zurrgurte finden Sie im allsafe-Shop, und für die Anschlagpunkte auf dem Anhänger führt allsafe auch belastbare Zurrpunkte. Einen Überblick über die verschiedenen Sicherungsmittel gibt der Ratgeber Ladungssicherungsmittel.
Ein Gurt ist nur so gut wie der Punkt, an dem er angeschlagen wird. Am Motorrad dürfen ausschließlich stabile, tragende Metallteile belastet werden. Gut geeignet sind der Rahmen, der die stabilste Struktur bildet, die untere Gabelbrücke sowie die Soziusfußrasten und ihre Halter am Heck. Auch der Lenker lässt sich nutzen, allerdings mit Bedacht: Setzen Sie den Gurt möglichst weit unten nahe der Gabelbrücke an, denn ein weiter oben angeschlagener Gurt kann den Lenker verbiegen.
Ebenso wichtig ist, welche Teile Sie meiden. Blinker, Spiegel und Verkleidungsteile aus Kunststoff brechen unter Last und dürfen niemals angeschlagen werden. Auch Bremsschläuche, Bremsleitungen und Kabel sind tabu, weil die Gurte hier scheuern und wichtige Bauteile beschädigen können. Führen Sie einen Gurt außerdem nie durch die Speichen oder das Rad. Im Zweifel gilt: Nur was fest mit dem tragenden Rahmen verbunden ist, hält die auftretenden Kräfte sicher aus.
Das Sichern eines Motorrads ist im Kern ein Direktzurren, genauer ein Schräg- oder Diagonalzurren. Dabei werden belastbare Punkte des Motorrads über die Gurte diagonal mit den Zurrpunkten des Anhängers verbunden. Die Gurte nehmen die Kräfte unmittelbar auf und wirken gleichzeitig nach unten und zur Seite, sodass das Motorrad in mehrere Richtungen gehalten wird. Sie bleiben dabei lösbar und werden nie fest mit dem Motorrad verbunden. Wie sich diese Methode von der reibungsbasierten Sicherung unterscheidet, ordnet der Ratgeber Arten der Ladungssicherung ein. Die folgende Anleitung fasst die Arbeitsschritte sachlich zusammen und ersetzt keine individuelle Beurteilung des jeweiligen Motorrads und Anhängers.
Ein Punkt sorgt regelmäßig für Diskussionen: Wie stark soll die Vorderradgabel beim Verzurren einfedern? Einig sind sich die Fachquellen darin, dass eine gewisse Vorspannung sinnvoll ist. Federt die Gabel leicht ein, bleiben die Gurte auch über Bodenwellen straff, statt bei jeder Unebenheit locker zu werden. Ebenso einig ist man sich, dass die Gabel nicht bis zum Anschlag durchgedrückt werden darf, weil das Gabel und Gurte überlastet. Das genaue Maß dazwischen wird unterschiedlich beurteilt. Eine leichte, sichtbare Einfederung ohne vollständiges Durchdrücken ist deshalb ein tragfähiger Kompromiss. Im Zweifel hilft ein Blick in die Herstellerangaben zu Ihrem Motorrad.
Mit dem Anziehen der letzten Ratsche ist die Sicherung noch nicht abgeschlossen. Nach dem Losfahren setzt sich das Motorrad, die Federung arbeitet und die anfängliche Vorspannung lässt nach. Ein Gurt, der zu Beginn straff saß, kann nach einer kurzen Fahrstrecke spürbar loser sein. Halten Sie deshalb nach den ersten Kilometern an und prüfen Sie alle Gurte und Ratschen, ob sie noch fest sitzen, und spannen Sie bei Bedarf nach. Auf längeren Strecken lohnt sich die kurze Kontrolle an jeder Pause. Diese Minute Aufwand entscheidet oft darüber, ob das Motorrad die ganze Fahrt sicher steht.
Sie sind unsicher, welche Zurrgurte und Anschlagpunkte zu Ihrem Motorrad und Ihrem Anhänger passen? Wir beraten Sie individuell und entwickeln auf Wunsch eine maßgeschneiderte Lösung aus eigener Fertigung, Made in Germany, mit persönlichem Service.
Spanngurt oder Zurrgurt: Wo liegt der Unterschied?
Umgangssprachlich werden beide Begriffe gleichgesetzt, doch für die Ladungssicherung zählt die Norm. Ein Zurrgurt nach DIN EN 12195-2 ist geprüft, trägt ein Etikett mit der zulässigen Zurrkraft und ist für das Sichern von Ladung zugelassen. Ein einfacher Spanngurt aus dem Baumarkt ohne Kennzeichnung erfüllt diese Anforderungen nicht und gehört nicht an ein Motorrad auf dem Anhänger. Achten Sie deshalb immer auf ein lesbares Normetikett.
Kann ich ein Motorrad mit nur zwei Gurten sichern?
Zwei Gurte reichen in aller Regel nicht aus. Das Motorrad muss sowohl nach vorn als auch nach hinten und gegen seitliches Kippen gehalten werden. In der Praxis bedeutet das, es vorne und hinten jeweils beidseitig anzuschlagen, damit die Kräfte gleichmäßig aufgenommen werden und die Maschine aufrecht bleibt. Wie viele Gurte genau nötig sind, hängt von Gewicht, Anhänger und Anschlagpunkten ab. Zu wenige Gurte sind ein häufiger und gefährlicher Fehler.
Muss das Motorrad aufrecht stehen oder darf es auf dem Seitenständer transportiert werden?
Das Motorrad wird aufrecht transportiert und gesichert, nicht auf dem Seitenständer. Nur aufrecht lässt es sich gleichmäßig nach beiden Seiten verzurren und steht stabil in der Vorderradschale. Auf dem Seitenständer läge das gesamte Gewicht auf einem Punkt, und das Motorrad könnte bei Fahrbewegungen umschlagen. Der Seitenständer ist zum Parken gedacht, nicht zum Transport.
Was ist, wenn mein Anhänger keine Vorderradschale hat?
Eine Vorderradschale erleichtert die Sicherung erheblich, ist aber nicht immer vorhanden. Ohne Schale müssen Sie besonders sorgfältig arbeiten und das Vorderrad zusätzlich gegen Wegrollen und seitliches Kippen sichern, etwa durch eine feste Abstützung und eine straffe, gleichmäßige Verzurrung nach vorn. Eine nachrüstbare Radschale oder Radwippe schafft dauerhaft mehr Sicherheit und ist die zuverlässigere Lösung.
Kann eine Antirutschmatte die Zurrgurte beim Motorradtransport ersetzen?
Nein. Eine rutschhemmende Unterlage erhöht die Reibung zwischen Reifen und Ladefläche und unterstützt die Sicherung, doch sie ist immer nur eine Ergänzung. Ein Motorrad kann kippen und rollen, deshalb muss es aktiv mit Zurrgurten an den Anhänger gebunden werden. Die Matte ersetzt niemals die eigentliche Verzurrung, sondern verbessert nur deren Wirkung.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung oder fachliche Beratung. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Normen und Vorschriften wie die StVO und DIN EN 12195-2 können überarbeitet werden; maßgeblich ist der jeweils gültige amtliche Text sowie die Bedienungsanleitung Ihres Motorrads und Anhängers. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Sachverständigen für Ladungssicherung oder die zuständige Behörde.