Niederzurren ist die im Alltag am häufigsten eingesetzte Methode, um Ladung auf der Ladefläche zu sichern. Ein Zurrgurt wird über die Ladung gelegt, mit der Ratsche gespannt und drückt die Ladung nach unten. Das klingt einfach, entscheidet aber im Ernstfall darüber, ob eine Palette bei der Vollbremsung an ihrem Platz bleibt oder ins Rutschen kommt. Genau deshalb lohnt es sich, die Methode richtig zu verstehen, statt den Gurt nur „irgendwie fest" zu ziehen.
Dieser Ratgeber erklärt, wie Niederzurren mechanisch funktioniert und worin es sich vom Direktzurren unterscheidet. Sie erfahren Schritt für Schritt, wie Sie einen Zurrgurt korrekt ansetzen, was die Angaben auf dem Zurrgurt-Etikett bedeuten und welche Faktoren über die Wirkung entscheiden. Für die vollständige rechnerische Auslegung führt Sie der Ratgeber gezielt an die passende Stelle weiter, damit Sie am Ende wissen, wann Niederzurren genügt und wann es an seine Grenzen stößt.
Niederzurren ist eine kraftschlüssige Sicherungsmethode. Kraftschlüssig bedeutet, dass die Ladung nicht direkt festgehalten, sondern über Reibung an Ort und Stelle gehalten wird. Der Zurrgurt wird über die Ladung gespannt und drückt sie mit seiner Vorspannkraft nach unten auf die Ladefläche. Dadurch steigt die Reibung zwischen Ladung und Boden, und die Ladung setzt sich bei Brems-, Beschleunigungs- oder Lenkmanövern nicht so leicht in Bewegung.
Wichtig ist das Verständnis, dass der Gurt selbst die Ladung beim Niederzurren nicht festbindet. Er verstärkt lediglich die Reibung. Reicht diese Reibung nicht aus, verrutscht die Ladung trotz gespanntem Gurt. Wie stark die Sicherung ausfällt, hängt deshalb nicht nur von der Zahl der Gurte ab, sondern vor allem von der aufgebrachten Vorspannkraft STF, von der Reibung zwischen Ladung und Boden und vom Winkel, in dem der Gurt an der Ladung angebracht ist. Welche Grundprinzipien der Ladungssicherung es neben dem Kraftschluss noch gibt, ordnet der Ratgeber Arten der Ladungssicherung ein.
Häufig werden Niederzurren und Direktzurren verwechselt, obwohl sie physikalisch verschieden wirken. Beim Niederzurren hält die Reibung die Ladung, der Gurt drückt sie nur nach unten. Beim Direktzurren wird die Ladung dagegen unmittelbar gegen Bewegung gesichert. Die Sicherung erfolgt über die Zugkräfte, entscheidend ist die zulässige Zugkraft LC. Es werden geeignete Zurrpunkte an Fahrzeug und Ladung benötigt. Für die beiden Methoden zählen auch unterschiedliche Werte auf dem Gurt-Etikett, wie der nächste Abschnitt zeigt.
Ein Zurrgurt wirkt nur, wenn er richtig angesetzt wird. Die folgende Anleitung fasst die Arbeitsschritte für eine Ratschen-Niederzurrung sachlich zusammen. Sie ersetzt keine Unterweisung im Betrieb, gibt aber die wesentliche Reihenfolge vor.
Für die praktische Umsetzung brauchen Sie geeignete Zurrgurte und ein Fahrzeug mit ausreichend belastbaren Anschlagpunkten. Passende Zurrgurte finden Sie im allsafe-Shop, die nötigen Zurrpunkte ebenfalls. Einen Überblick über die weiteren Sicherungsmittel gibt der Ratgeber Ladungssicherungsmittel.
Jeder normgerechte Zurrgurt trägt ein Etikett nach DIN EN 12195-2. Die dort genannten Kennwerte sind für das Niederzurren entscheidend, denn sie sagen aus, wie viel Kraft der Gurt in die Sicherung einbringt. Drei Abkürzungen sollten Sie kennen. Die STF (Standard Tension Force) gibt die Vorspannkraft an, also die Kraft, die beim Spannen der Ratsche im Gurt wirkt. Sie wird in daN angegeben und ist der Wert, auf den es beim Niederzurren ankommt: Je höher die STF, desto stärker drückt der Gurt die Ladung nach unten. Die SHF (Standard Hand Force) ist die dafür nötige Handkraft, die die Norm einheitlich auf 50 daN festlegt. Die LC (Lashing Capacity) schließlich benennt die zulässige Zurrkraft und ist der maßgebliche Wert beim Direktzurren, nicht beim Niederzurren.Ein Blick lohnt auch auf die Etikettenfarbe, denn sie steht für den Gurtbandwerkstoff: Ein blaues Etikett kennzeichnet Polyester, ein grünes Polyamid und ein braunes Polypropylen. Ist das Etikett unlesbar oder fehlt es, lässt sich der Gurt nicht mehr sicher zuordnen und sollte ausgetauscht werden.
Ob eine Niederzurrung ausreicht, ergibt sich aus dem Zusammenspiel weniger Größen. Auf der einen Seite stehen die Kräfte, die beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurven auf die Ladung wirken. Auf der anderen Seite steht die haltende Wirkung aus Reibung und Vorspannkraft. Erst wenn die haltende Seite die wirkenden Kräfte übersteigt, bleibt die Ladung sicher an ihrem Platz.
Drei Stellschrauben können Sie in der Praxis beeinflussen. Die Reibung erhöhen Sie durch rutschhemmende Unterlagen, was die Zahl der nötigen Gurte spürbar senkt. Die Vorspannkraft bestimmen Sie über einen Gurt mit ausreichend hoher STF und über korrektes Spannen mit der Ratsche. Und der Zurrwinkel sollte möglichst steil sein: Je flacher der Gurt über der Ladung liegt, desto weniger seiner Vorspannkraft wirkt nach unten. Als Faustwert wird ein Zurrwinkel von mindestens 35 Grad empfohlen, steiler ist besser.
Zu berücksichtigen ist außerdem, dass sich die Vorspannkraft nicht vollständig über die Ladung hinweg auf die andere Seite überträgt. Die Norm bildet das über einen Übertragungsbeiwert ab, den sogenannten k-Faktor: Bei einseitigem Spannen wird er mit 1,5 angesetzt, bei beidseitigem Spannen mit 2. Wie sich aus diesen Größen die genaue Zahl der erforderlichen Niederzurrungen rechnen lässt, führt der Ratgeber Ladungssicherung Formel Schritt für Schritt vor. Grundlage sind die anerkannten Regeln der Technik nach VDI 2700 Blatt 2 und DIN EN 12195-1.
So verbreitet Niederzurren ist, es passt nicht zu jeder Ladung. Bei geringer Reibung, bei kippgefährdeten oder rollenden Gütern und bei sehr schwerer Ladung reicht der reine Kraftschluss oft nicht aus. Dann ist eine formschlüssige Sicherung durch Blockieren oder eine Kombination mit dem Direktzurren die bessere Wahl. Rutschhemmende Unterlagen erhöhen zwar die Reibung, ersetzen aber keine aktive Sicherung, sondern ergänzen sie nur. Im Zweifel gilt: Eine tragfähige Sicherung entsteht erst durch die richtige Kombination der Mittel und im Zweifel durch fachkundige Auslegung.
Die häufigsten Fehler entstehen weniger aus fehlendem Wissen als aus Routine. Die folgende Checkliste hilft, die wichtigsten Punkte im Blick zu behalten:
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Wie viele Zurrgurte brauche ich zum Niederzurren?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Wie viele Zurrgurte nötig sind, hängt vom Ladungsgewicht, von der Reibung am Ladeboden, von der Vorspannkraft des Gurtes und vom Zurrwinkel ab. Rutschhemmende Unterlagen können die erforderliche Zahl deutlich senken. Die konkrete Berechnung nach den anerkannten Regeln der Technik zeigt der Ratgeber zur Ladungssicherungs-Formel.
Woran erkenne ich, dass ein Zurrgurt ausgetauscht werden muss?
Ein Zurrgurt ist abzulegen, wenn das Gurtband Einschnitte, Risse, starke Abscheuerungen oder Garnbrüche aufweist, wenn es durch Chemikalien oder Hitze geschädigt ist oder wenn das Etikett fehlt oder unlesbar ist. Auch beschädigte Ratschen oder verformte Haken machen den Gurt unbrauchbar. Im Zweifel gehört ein Gurt aussortiert, nicht weiterverwendet.
Darf ich zum Spannen eine Verlängerung auf den Ratschenhebel stecken?
Nein. Die Ratsche ist für das Spannen mit der Hand ausgelegt, und die Norm rechnet mit einer Handkraft von 50 daN. Eine Verlängerung oder ein aufgestecktes Rohr erzeugt zwar kurzfristig mehr Kraft, überlastet aber Gurt, Ratsche und Zurrpunkte und kann sie beschädigen. Eine verlässliche Sicherung entsteht dadurch nicht, im Gegenteil steigt die Gefahr eines Versagens.
Kann ich denselben Zurrgurt zum Niederzurren und zum Direktzurren nutzen?
In der Regel ja, sofern der Gurt für beide Methoden zugelassen ist. Entscheidend sind dann unterschiedliche Etikettenwerte: Beim Niederzurren zählt die Vorspannkraft STF, beim Direktzurren die zulässige Zurrkraft LC. Prüfen Sie vor dem Einsatz, ob der Gurt für die geplante Methode und die auftretenden Kräfte geeignet ist.
Warum muss ich nach dem Losfahren nachspannen?
Beim Anfahren, Bremsen und über Unebenheiten setzt sich die Ladung, und die anfänglich aufgebrachte Vorspannkraft lässt nach. Ein Gurt, der zu Beginn straff saß, kann nach wenigen Kilometern spürbar loser sein. Deshalb sollten Sie die Sicherung nach einer kurzen Fahrstrecke am ersten Halt kontrollieren und bei Bedarf nachspannen.
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine Rechtsberatung oder fachliche Beratung. Alle Angaben wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Richtigkeit oder Aktualität. Normen und Richtlinien wie VDI 2700 und DIN EN 12195 können überarbeitet werden; maßgeblich ist der jeweils gültige amtliche Text. Für verbindliche Auskünfte wenden Sie sich bitte an einen Sachverständigen für Ladungssicherung oder die zuständige Berufsgenossenschaft.